Anabolika – warum du der Versuchung widerstehen solltest…

Vor allem im Bodybuilding ist die Diskussion um Anabolika nach wie vor ein heißes Eisen. Die Versuchung ist groß – schneller Muskelaufbau, schnelle Regeneration, schnelle Fettreduktion. Doch leider hat das leistungssteigernde Wundermittel auch eine Kehrseite der Medaille. Alles was du darüber wissen solltest, erfährst du in diesem Artikel…

Wer morgens in den Spiegel schaut und unzufrieden mit seinem Körper ist, der will vor allem eins: eine möglichst schnelle Veränderung! Leider dauert es in der Regel aber bis sich sichtbare Erfolge vom Training zeigen. Da ist die Versuchung natürlich groß, zu Anabolika zu greifen. Sie versprechen dir ein schnelles und schier unbegrenztes Muskelwachstum bei gleichzeitiger Fettreduktion. Klingt erstmal verlockend, oder? Wären da bloß nicht die Nachteile bzw. Nebenwirkungen… Aber fangen wir erstmal mit den Basics an:

Was genau verstehen wir unter "Anabolika"?

„Anabolika“ sind, wie aus dem Namen hervorgeht, anabole Steroide. Es sind Präparate, die die Struktur des männlichen Sexualhormons Testosteron nachahmen. Heutzutage werden sie aus rein synthetischen Substanzen hergestellt. Früher wurden sie jedoch aus Stierhoden extrahiert. Schon im 2. Weltkrieg wurde Testosteron an geschwächte Soldaten verabreicht. 

Anabole Steroide können entweder gespritzt oder als Tablette geschluckt werden. Die Einnahme kann aber auch über Hautgels, Pflaster oder kleine Implantate unter der Haut erfolgen. Letzteres sorgt für einen besonders konstanten Hormonpegel. Bekannte Anabolikapräparate sind Dianabol, Stanozolol oder Nandrolon. Der Nachweis ist noch 14 Tage nach Einnahme im Urin möglich.

Wie wirkt Testosteron im Körper?

Das Hormon Testosteron ist der Haupttreiber für die Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale. Egal ob Bartwuchs, Spermienproduktion oder eine tiefe Stimme – Testosteron hat überall seine Finger mit im Spiel. Außerdem wirkt es anabol. Oder anders ausgedrückt: stoffwechselanregend und muskelaufbauend (Das Gegenteil wäre katabol = Abbau von Substanzen). Positive Folgen sind ein verbesserter Eiweißaufbau und eine Körperfettreduktion.

In der Medizin werden anabole Steroide in Form einer Testosteronersatz-Therapie z.B. bei Osteoporose (Knochenschwund) oder bei Störungen der Spermabildung angewandt. Auch Männer, deren Testosteronspiegel generell zu niedrig ist, (bspw. nach einer Chemotherapie) bekommen eine Ersatztherapie. Die Standardverabreichung erfolgt i.d.R. mittels Spritze alle drei bis vier Wochen. 

Welche Wirkung beim Sport?

Die Einnahme von anabolen Steroiden fördert den Aufbau von Eiweiß in der Muskulatur. Vor allem bei parallelem Muskelaufbautraining. Außerdem fördern sie die Regenerationsfähigkeit der Muskulatur und die Blutbildung. Dadurch ist es möglich, häufiger und mit weniger Pausen zu trainieren.

Allerdings produziert dein Körper deutlich weniger körpereigenes Testosteron, wenn du sie ihm von außen zuführst. Wenn du die anabolen Steroide dann wiederum absetzt, sinkt dementsprechend deine körperliche Leistungsfähigkeit!

Was sind die Risiken und Nebenwirkungen?

Jedem sollte klar sein, dass selbst eine einmalige Einnahme einen unwiderrufliche Störung des körpereigenen Hormonhaushalts hervorruft. Nimmst du anabole Steroide über längere Zeit regelmäßig ein, entsteht für dich das Risiko  einer psychischen Abhängigkeit. Inklusive der Entzugssymptome, sobald du sie nicht mehr einnimmst.

Nicht seltene Nebenwirkungen bei überhöhter Dosis sind Stimmungsschwankungen, aggressives Verhalten und Depressionen. Langfristig kann es zu einer Schilddrüsenüberfunktion, Brustvergrößerung bei Männern, Veränderungen des Skelett- und Bewegungsapparates, Akne sowie Bluthochdruck uvm. führen. Außerdem erhöht sich das Herzinfarkt– und Schlaganfallrisiko deutlich. Häufige Gefahren sind auch schwere Leberschädigungen und eine gestörte Spermienproduktion, die unfruchtbar machen kann.

Aber auch Frauen sind von Nebenwirkungen bei Anabolikaeinnahme betroffen. Möglich sind zum Beispiel ein gestörter Menstruationszyklus, Bartwuchs oder eine Vergrößerung der Klitoris.

Sind Anabolika verboten?

Juristisch ist weder der Besitz noch der Konsum von Anabolika verboten. Laut Paragraph 6a des Arzneimittelgesetzes ist es jedoch verboten „Arzneimittel zu Dopingzwecken im Sport in den Verkehr zu bringen, zu verschreiben oder bei anderen anzuwenden.“

In diesem speziellen Fall ist außerdem bereits der Besitz „nicht geringer“ Mengen an Anabolika zum Sport-Doping Zweck verboten. Die „erlaubte“ Menge ist hierbei abhängig vom Präparat und der Zubereitungsart. Im professionellen Sport ist jegliche Einnahme von Testosteronpräparaten verboten und hat einen Wettbewerbsausschluss wegen Betrugs zur Folge. 

Fazit

Anabolika versprechen viel, bringen aber unerwünschte Nebenwirkungen und Gefahren mit sich. Wer mittels anaboler Steroide seinen Körper stählen will, nimmt dadurch ein Leberversagen und eine Substanzabhängigkeit mit all seinen negativen Folgen in Kauf.

Die Erfolge durch Anabolika sind zudem nur von kurzer Dauer. Sobald man die Einnahme abbricht, verschwindet auch der Traumkörper relativ schnell. Obendrein führt der Entzug zu einem ausgeprägten Leistungstief und depressiven Verstimmungen. 

Bei aller Liebe zu Fitness und Verständnis für den heutigen Körperkult: Das ist es doch wirklich nicht wert, oder?

Bleibt sportlich, Euer Lorenzo